{"id":14073,"date":"2016-01-23T10:47:56","date_gmt":"2016-01-23T10:47:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=14073"},"modified":"2016-02-10T10:44:43","modified_gmt":"2016-02-10T10:44:43","slug":"kinder-loslassen-jesper-juul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/kinder-loslassen-jesper-juul\/","title":{"rendered":"Kinder loslassen  Juul zitiert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn erwachsene Kinder sich rarmachen<br \/>\nKOLUMNE JESPER JUUL 30. August 2015<br \/>\nWie viel N\u00e4he vertr\u00e4gt die Beziehung zu einem gro\u00dfen Kind?<br \/>\n\u00dcber das Dilemma, das Wichtigste im Leben der Mutter zu sein<\/strong> <!--more--><\/p>\n<p>Frage<br \/>\nIch bin Mutter einer 30-j\u00e4hrigen Tochter. Sie wurde von meinem damaligen Mann und mir mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Liebe und F\u00fcrsorge erzogen. Die Trennung von meinem Mann erfolgte auf meine Initiative. Unsere Tochter war damals zw\u00f6lf Jahre alt. Es hat sich ergeben, dass wir im gleichen Haus in getrennten Haushalten leben konnten. So war der Kontakt zwischen beiden Elternteilen ausgewogen gegeben. Einen gro\u00dfen Teil meiner Freizeit verbrachte ich mit meiner Tochter, sie war damals f\u00fcr mich unglaublich wichtig als Ankerpunkt. Ich habe sehr bewusst darauf geachtet, sie nicht als &#8222;Partnerersatz&#8220; zu missbrauchen. Nat\u00fcrlich war sie schockiert \u00fcber die Trennung. Wir haben es dennoch geschafft, in Freundschaft und Liebe verbunden zu bleiben. Auch heute noch feiern wir alle traditionellen Feste wie zum Beispiel Geburtstage gemeinsam. In den Gespr\u00e4chen zwischen meinem Mann und mir wurde sie nie als Streitpunkt missbraucht. Es war uns wichtig, dass sie nicht mehr als n\u00f6tig durch die Trennung belastet wird. Inzwischen ist sie 30 Jahre alt, hat die Freuden und Probleme des Erwachsenwerdens erlebt, studiert und arbeitet, wie ich meine, zu viel. Bei unseren Treffen ist sie unglaublich lieb und mitf\u00fchlend, wir sprechen offen und liebevoll miteinander. Doch nun schaffe ich es einfach nicht mehr, mit ihr in Kontakt zu bleiben. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass sie viel zu tun hat und lange arbeitet. Deshalb beschr\u00e4nke ich mich auf unregelm\u00e4\u00dfige Nachrichten. Oft kommt versp\u00e4tet eine Antwort und diese f\u00e4llt meist sehr kurz aus. Ich merke, wie ich in meinen Nachrichten fast unterw\u00fcrfig werde, mich f\u00fcr die St\u00f6rung entschuldige und nur um eine kurze Nachricht bitte, weil ich ihre Antwort f\u00fcr etwas dringend brauche. Zum anderen ertappe ich mich dabei, wie ich mich \u00e4rgere, dass sie sich nicht meldet und denke dar\u00fcber nach, mich \u00fcberhaupt nicht mehr zu melden. Ich gebe zu, dass ich keinen ad\u00e4quaten Ersatz f\u00fcr die intensive Beziehung zu meiner Tochter gefunden habe, obwohl ich in meiner derzeitigen Beziehung ganz zufrieden bin. Nat\u00fcrlich ist mir bewusst, dass Eltern erwachsener Kinder nicht sehr aufregend oder interessant sind. Ich will ja auch keine gro\u00dfe Rolle im Leben meiner Tochter spielen, sondern nur gelegentlich wissen, wie es ihr geht und was ihr im Moment wichtig ist. Ich werden zusehends ratloser. Mein Freund meint sogar, dass ich sie zu sehr bedr\u00e4nge, was ich nicht glaube. Soll ich mich denn ganz zur\u00fcckziehen und warten, bis sie die Initiative ergreift? Sie ist noch immer das Wichtigste in meinem Leben \u2013 oder ist genau das das Problem? <\/p>\n<p>Antwort<br \/>\nEs kann sehr gut sein, dass genau dies die Erkl\u00e4rung Ihres Dilemmas ist und auch der Grund, warum Ihre Tochter das Gef\u00fchl hat, sich von Ihnen distanzieren zu m\u00fcssen. Der Sinn des Lebens einer Mutter zu sein ist einfach zu viel der B\u00fcrde. Was Sie ihr gegeben haben, hat Ihre Tochter die ersten 15 Jahre gebraucht. Aber seitdem braucht Sie eine Mutter, die sich viel mehr im Hintergrund h\u00e4lt. Das, was Sie umgehend \u00e4ndern m\u00fcssen, ist die Art, wie Sie mit Ihrer Tochter kommunizieren. Sie sind zu unverbindlich, \u00fcberlegt und h\u00f6flich. Das macht es ihr unm\u00f6glich, eine authentische Kommunikation mit Ihnen zu f\u00fchren. Sie beide haben zu gro\u00dfe Angst davor, sich gegenseitig zu verletzen und damit ihre innige Beziehung zu gef\u00e4hrden. Um das zu \u00e4ndern, m\u00fcssen Sie ihr ganz einfach sagen, was Sie von ihr m\u00f6chten, und Sie bitten, Ihnen ehrlich zu antworten, was sie Ihnen geben m\u00f6chte. Ihr Fokus lag immer auf den Bed\u00fcrfnissen Ihrer Tochter. Dessen bin ich mir v\u00f6llig bewusst. Aber nun ist es Zeit f\u00fcr Ihre Bed\u00fcrfnisse (in Bezug auf Ihre Tochter). Ihre Tochter ist in keiner Weise dazu verpflichtet, Ihnen das zu geben, was Sie wollen, allerdings es ist niemals zu sp\u00e4t, eine neue Beziehung zu ihr aufzubauen. Diese sollte auf einer offenen und ehrlichen Kommunikation mit einer ehrlichen Botschaft basieren: Seien Sie aufrichtig zu sich selbst!<br \/>\n(Jesper Juul, 30.8.2015) Jesper Juul, geboren 1948 in D\u00e4nemark, ist Lehrer, Gruppen- und Familientherapeut, Konfliktberater und Buchautor. Er studierte Geschichte, Religionsp\u00e4dagogik und Europ\u00e4ische Geistesgeschichte. Statt die Lehrerlaufbahn einzuschlagen, nahm er eine Stelle als Heimerzieher und sp\u00e4ter als Sozialarbeiter an und lie\u00df sich zum Familientherapeuten ausbilden. Er ist Begr\u00fcnder des Family Lab. <\/p>\n<p>Auf derStandard.at\/Familie beantwortet Jesper Juul alle zwei Wochen Fragen \u00fcber Erziehung, Partnerschaft und Familienleben. &#8211;<br \/>\nderstandard.at\/2000021353444\/Wenn-erwachsene-Kinder-sich-rarmachen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn erwachsene Kinder sich rarmachen KOLUMNE JESPER JUUL 30. 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