{"id":14361,"date":"2016-05-12T05:58:38","date_gmt":"2016-05-12T05:58:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=14361"},"modified":"2016-06-17T06:16:31","modified_gmt":"2016-06-17T06:16:31","slug":"unsere-gesellschaft-generation-y","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/unsere-gesellschaft-generation-y\/","title":{"rendered":"Alpen Feuilleton Generation Y"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Alpen Feuilleton: Was kommt nach der Generation Y? Was kommt nach der Generation Z? Und was kommt eigentlich nach den Hipstern? Diese Fragen stellen sich Zukunftsforscher und Medien gleicherma\u00dfen. Wohin entwickelt sich die Jugend? <\/strong><\/p>\n<p>Von Felix Kozubek<br \/>\nEs ist immer leichter aus etwas heraus zu schreiben, als \u00fcber etwas. In diesem Fall kann ich es sogar gleich doppelt tun. Ich schreibe als Teil einer Generation, sprich aus der Generation heraus und tue dies aus einer Mischung aus Angst, Ekel und Staunen. Denn meine Generation ist die Ego-Generation.<!--more--><\/p>\n<p>Noch nie ging es uns so gut. Die Generation unserer Gro\u00dfeltern hat den gro\u00dfen Krieg miterlebt und die Generation unserer Eltern die Zeiten danach. Wir hingegen sind Wohlstandskinder. Wohlstandskinder, die sich in ein mehr oder weniger gemachtes Nest setzen, ausruhen und dar\u00fcber nachdenken k\u00f6nnen, welchem Tagtraum sie als n\u00e4chstes nachjagen wollen. Die gr\u00f6\u00dften Probleme mit denen wir uns besch\u00e4ftigen, sind keine essentiellen, keine von allgemeiner G\u00fcltigkeit, keine gesellschaftlichen, keine die die Welt betreffen, es sind Ego-Probleme. Reine Ego-Probleme. Sitzt meine Hose oder betont sie die falschen Stellen? Ist im Chai Latte auch wirklich Sojamilch? Erf\u00fcllt mich mein Studium? Kann ich mich im Job selbst verwirklichen?<\/p>\n<p>In letzter Zeit springt mir ein neues, angesagtes Selbstverwirklichungsprojekt nach dem anderen ins Gesicht. Da werden Pop-up-Stores er\u00f6ffnet, damit sich urbane M\u00e4dchen aus der Provinz wie K\u00fcnstlerinnen f\u00fchlen k\u00f6nnen. Da werden Hochglanzmagazine produziert, damit sich unterforderte Studenten wie Medienmagnaten f\u00fchlen k\u00f6nnen. Da werden hippe Imbissbuden er\u00f6ffnet, damit junge Pseudo-Aussteiger ihren Brotjob sausen lassen k\u00f6nnen. Da wird Ramsch auf Vintage Flohm\u00e4rkten und selbst gebasteltes Glump auf Kunst- oder Designm\u00e4rkten verkauft. Da werden Labels gegr\u00fcndet und Events veranstaltet, die die eigene Szene feiert, als w\u00e4re David Bowie auferstanden und h\u00e4tte mit Beyonc\u00e9 gemeinsam ein Yoga-Music-Festival f\u00fcr Selbstfindungsprinzen und -prinzessinnen gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Politisch ist man nur dann, wenn es dem eigenen Ruf und der eigenen Marke dient. Meine Generation ist nicht mehr aus \u00dcberzeugung politisch links, sondern weil das zum Image geh\u00f6rt. Meine Generation ist auch nicht aus \u00dcberzeugung konservativ, sondern weil Anzug, Segelschuhe und Fliege tragen eben einen gewissen Lifestyle bedeutet. Prominente Vertreter unserer Generation sitzen in Talkshows und erkl\u00e4ren rotzfrech, dass sie von Arbeit nicht viel halten. Wer braucht schon einen festen Job, dem er jeden Tag zwischen 8 und 18 Uhr nachgeht? Richtig, niemand! Unsere Generation ist die erste, die es schaffen wird sich von dieser l\u00e4stigen Fessel zu befreien. Schei\u00df egal, was alle sagen. K\u00f6nnen ja wir nichts daf\u00fcr, dass die fr\u00fcher hart arbeiten mussten. Nicht mit uns. Ehrliche Arbeit ist etwas f\u00fcr Spie\u00dfer, t\u00f6nen die Parolen.<\/p>\n<p>Anders betrachtet. Wir trauen uns Dinge, von denen die Generationen vor uns nicht einmal getr\u00e4umt h\u00e4tten. Wir stellen klassische Berufs- und Rollenbilder in Frage. Auch die 40-Stunden-Woche ist vor uns nicht sicher. Unser pers\u00f6nliches Gl\u00fcck soll nicht vom Gehaltsscheck, nicht vom Titel auf der Visitenkarte und nicht vom Lob des Chefs abh\u00e4ngen. Ja, wir sind die Ego-Generation, die auf sich schaut und Altes neu denkt. Wir k\u00f6nnen mit politischem Lagerdenken nichts mehr anfangen und bleiben unvorhersehbar, launisch. Sollen doch manche denken wir seien selbstgerecht, selbst\u00fcbersch\u00e4tzt und nur auf uns selbst fokussiert.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen dabei nur nicht vergessen, dass mit dem Wohlstandskinder-Status eine Verantwortung einhergeht, auf uns warten gro\u00dfe Herausforderungen. Wir d\u00fcrfen auch nicht vergessen, dass diese neue Fokussierung, diese neuen Werte manch einem Angst machen k\u00f6nnten. Und wir d\u00fcrfen nicht die Bodenhaftung verlieren und anfangen uns abzuschotten. Wir d\u00fcrfen keine in sich geschlossene Szene werden, die die eigenen Codes, Bands, Labels, Werte und Projekte feiert und jede Nachfrage von au\u00dfen abblockt, als l\u00e4cherlich und altbacken abtut. Ansonsten wird aus der Ego-Generation, die die einmalige Chance hat, das Gl\u00fcck des einzelnen als oberstes Gut anzuerkennen und neue Lebensmodelle zu schaffen, schnell die r\u00fccksichtslose Arschloch-Generation, die nur sich selbst im Blick hat und der alles andere egal ist. Da k\u00f6nnte man es dann n\u00e4mlich wirklich mit der Angst zu tun bekommen oder angeekelt staunen.<\/p>\n<p>http:\/\/www.alpenfeuilleton.at\/2016\/05\/glosse-jugend-generation-ego\/ <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Alpen Feuilleton: Was kommt nach der Generation Y? Was kommt nach der Generation Z? Und was kommt eigentlich nach den Hipstern? Diese Fragen stellen sich Zukunftsforscher und Medien gleicherma\u00dfen. Wohin entwickelt sich die Jugend? 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