{"id":1441,"date":"2010-12-08T22:10:44","date_gmt":"2010-12-08T21:10:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=1441"},"modified":"2015-10-12T11:19:26","modified_gmt":"2015-10-12T11:19:26","slug":"stillen-eisenmangel-bei-gestillten-babys-keineswegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/stillen-eisenmangel-bei-gestillten-babys-keineswegs\/","title":{"rendered":"Stillen &#8211; Eisenmangel bei gestillten Babys? Keineswegs!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Studie empfiehlt f\u00fcr Babys Fleisch \u2013 und sch\u00fcrt Angst  Experten empfahlen, Still-Babys Fleisch zuzuf\u00fcttern. &#8211; Artikel Welt Online\/Andreas Fasel<\/strong><\/p>\n<p>Die Ergebnisse sind umstritten und der Auftraggeber der Studie st\u00f6\u00dft sauer auf.<!--more--><\/p>\n<p>Es war eine Meldung, die frischgebackene Eltern in Angst und Sorge versetzte.<\/p>\n<p>\u201eStillkindern droht gef\u00e4hrlicher Eisenmangel\u201c, so warnten vor zwei Wochen die Universit\u00e4t Bonn und das Dortmunder Forschungsinstitut f\u00fcr Kinderern\u00e4hrung (FKE) in einer gemeinsamen Mitteilung.<\/p>\n<p>Durch den Text, der in vielen Zeitungen und Fachjournalen abgedruckt wurde, ziehen sich bedrohlich klingende Begriffe wie \u201eersch\u00f6pfte Eisenspeicher\u201c und \u201eEisenmangel-An\u00e4mie\u201c.<\/p>\n<p>Und es wird geraten, \u201enach dem vierten Monat oder allersp\u00e4testens nach einem halben Jahr\u201c mit dem Zuf\u00fcttern zu beginnen.<\/p>\n<p><strong>Damit widerspricht diese Studie den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)<\/strong>, wonach Kinder ein halbes Jahr lang ausschlie\u00dflich gestillt werden sollten.<\/p>\n<p>Muttermilch allein gen\u00fcgt nicht, empfahl eine Studie.<\/p>\n<p>Die war aber ausgerechnet von einer Marketingagentur der Nahrungsmittelindustrie finanziert.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist das Ergebnis umstritten   &#8211; Stutzig macht zun\u00e4chst eine Formulierung am Textende:<\/p>\n<p>Beim Zuf\u00fcttern \u201esollten Eltern auch darauf achten, zu m\u00f6glichst fleischreichen Gl\u00e4schen zu greifen\u201c.<\/p>\n<p>Eigenartig: Wurde doch weiter oben im Text noch detailliert beschrieben, dass die an der Studie beteiligten Stillkinder auch nach monatelangem Zuf\u00fcttern von Fleischbrei viel weniger Eisen im Blut hatten als die Vergleichsgruppe der Flaschenkinder.<\/p>\n<p>Muss man daraus nicht folgern, dass die Fleischbreikost ungeeignet ist, den vermeintlich gef\u00e4hrlichen Eisenmangel zu beheben?<\/p>\n<p>Michael Lentze, Direktor der an der Studie beteiligten Universit\u00e4tskinderklinik in Bonn und Leiter des Dortmunder FKE, reagiert unwirsch auf kritische Nachfragen.<\/p>\n<p>Auf die Frage, welche Erkenntnisse zum kindlichen Eisenstoffwechsel den ver\u00f6ffentlichten Interpretationen zugrunde liegen, beruft sich Lentze vage auf \u201eStudien aus den 50er- und 60er-Jahren\u201c.<\/p>\n<p>WELT ONLINE bat daraufhin mehrere Experten, die FKE-Studie und die dazu ver\u00f6ffentlichte Mitteilung zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Sie sprechen ein vernichtendes Urteil. Alfred L\u00e4ngler, Leitender Kinder- und Jugendarzt im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, ist der Meinung, \u201edass die Ergebnisse dieser Studie in der Interpretation \u00fcberstrapaziert werden\u201c.<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung, schon an vier Monate alte Kinder m\u00f6glichst fleischreiche Gl\u00e4schen zu verf\u00fcttern, k\u00f6nne aus den Ergebnissen der Studie nicht gezogen werden.<\/p>\n<p>Noch deutlicher wird Gisela Jan\u00dfen, Ober\u00e4rztin der Abteilung Kinderonkologie und -h\u00e4matologie an der Uni-Klinik D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>\u201eIch kann in den in der Studie ver\u00f6ffentlichten H\u00e4moglobin-Werten keinen Hinweis auf eine durch Eisenmangel bedingte Blutarmut finden\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Ohnehin seien die Daten nur eingeschr\u00e4nkt verwertbar, da punktuell gemessene Eisenwerte im Blut von Kindern keine Aussagekraft h\u00e4tten.<\/p>\n<p>So unterliegt der in der FKE-Studie aufgef\u00fchrte Eisenspeicher Ferritin starken Schwankungen \u2013 etwa bei Entz\u00fcndungen.<\/p>\n<p>Um herauszufinden, ob ein Kind an Eisenmangel-An\u00e4mie leide, seien weitere Parameter heranzuziehen, sagt Jan\u00dfen, etwa der sogenannte RDW-Wert, der die Verteilungsbreite der roten Blutk\u00f6rperchen anzeigt: \u201eDoch diese Werte wurden in der Studie nicht gemessen.\u201c<\/p>\n<p>Auch die klinische Erfahrung spricht gegen die vom Forschungsinstitut FKE heraufbeschworene Gefahr einer Eisenmangel-An\u00e4mie.<\/p>\n<p>Reife Neugeborene w\u00fcrden mit Eisenspeichern geboren, die vier bis f\u00fcnf Monate ausreichen, sagt Jan\u00dfen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nne das in der Muttermilch enthaltene Eisen besonders gut aufgenommen werden.<\/p>\n<p>\u201eDieses Eisen wird zu 50 Prozent resorbiert, Eisen aus anderer Nahrung nur zu etwa f\u00fcnf Prozent\u201c, sagt Jan\u00dfen und kommt zu dem Ergebnis: \u201eBei Kindern, die in den ersten sechs Monaten ausschlie\u00dflich gestillt wurden, stellt also ein Eisenmangel im ersten Lebensjahr kein relevantes Problem dar.\u201c<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzungen teilt auch Roswitha Dickerhoff, H\u00e4matologin an der Kinderklinik D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>Anders als das FKE-Forscherteam h\u00e4lt sie ausschlie\u00dfliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten sogar f\u00fcr unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>Nur dadurch seien Kinder etwa vor schweren Durchfallerkrankungen im ersten Lebensjahr gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Liste der methodischen M\u00e4ngel ist noch l\u00e4nger: Erika Nehlsen, Leiterin des Ausbildungszentrums f\u00fcr Laktation und Stillen, kritisiert, dass in der Studie kein Wort dar\u00fcber verloren werde, dass das Zuf\u00fcttern nachweislich die Eisenaufnahme aus der Muttermilch hemme.<\/p>\n<p>Nicht ber\u00fccksichtigt sei au\u00dferdem, dass zu schnell abgenabelte Kinder nicht die n\u00f6tigen Eisenvorr\u00e4te f\u00fcr die ersten Monate mitbek\u00e4men.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese Fehler der Studie als das Ergebnis von Leichtfertigkeit und Wichtigtuerei abtun, w\u00e4re das FKE in Dortmund nicht ein einflussreiches Institut f\u00fcr Fragen der Kinderern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Seinen Einsch\u00e4tzungen folgen Kinder\u00e4rzte und Erziehungsratgeber. Die f\u00fcr die Studie verantwortliche Forscherin Mathilde Kersting ist Mitglied der Nationalen Stillkommission \u2013 einer Institution, die die Aufgabe hat, das Stillen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Und wenn in deren Reihen die Empfehlung ausgesprochen wird, Babys nicht allzu lange mit der Mutterbrust abzuspeisen \u2013 so hat das in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung durchaus Gewicht.<\/p>\n<p>Kritiker des Dortmunder FKE beklagen immer wieder, das Institut sei von der Nahrungsmittelindustrie abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird als Geldgeber der aktuellen Studie die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft genannt (CMA, \u201eFleisch ist ein St\u00fcck Lebenskraft\u201c).<\/p>\n<p>Hipp und Nestl\u00e9 lieferten die gepriesenen \u201efleischreichen Gl\u00e4schen\u201c.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Firma Hipp werden mit fleischhaltigen Gl\u00e4schen in Deutschland pro Jahr 94 Millionen Euro umgesetzt.<\/p>\n<p>Allein Hipp verarbeitet j\u00e4hrlich 2200 Tonnen Fleisch.<\/p>\n<p>Doch 2006 bekam der Fleischabsatz in Babygl\u00e4schen einen D\u00e4mpfer, denn in Deutschland wurde eine EU-Richtlinie umgesetzt, die den Fleisch-Mindestanteil in Fleischgl\u00e4schen von zw\u00f6lf auf acht Prozent senkte.<\/p>\n<p>Daraufhin wurde das Dortmunder FKE aktiv und untersuchte, ob das nicht zu einem Eisenmangel f\u00fchre.<\/p>\n<p>Das Ergebnis der Studie: negativ.<\/p>\n<p>Dennoch, so erfuhr WELT ONLINE aus Kreisen der Universit\u00e4t Bonn, wollte die FKE-Forscherin Mathilde Kersting diese Studie als Beleg f\u00fcr ihr Pl\u00e4doyer heranziehen, man solle \u201em\u00f6glichst fleischreiche Gl\u00e4schen\u201c beif\u00fcttern.<\/p>\n<p>Stillende M\u00fctter d\u00fcrfen also den j\u00fcngst ausgel\u00f6sten Eisenmangel-Alarm getrost wieder vergessen.<\/p>\n<p>\u201eAuch die Natur hat das ausschlie\u00dfliche Stillen bis zum sechsten Lebensmonat vorgesehen\u201c, sagt die H\u00e4matologin Roswitha Dickerhoff, vorher seien Kinder nicht in der Lage, mit fester Kost fertig zu werden: \u201eUnd meinem Wissen nach werden Gl\u00e4schen von der Natur nicht ohne Weiteres geliefert.\u201c<\/p>\n<p>http:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/article8600541\/Studie-empfiehlt-fuer-Babys-Fleisch-und-schuert-Angst.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie empfiehlt f\u00fcr Babys Fleisch \u2013 und sch\u00fcrt Angst Experten empfahlen, Still-Babys Fleisch zuzuf\u00fcttern. &#8211; Artikel Welt Online\/Andreas Fasel Die Ergebnisse sind umstritten und der Auftraggeber der Studie st\u00f6\u00dft sauer auf. <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/stillen-eisenmangel-bei-gestillten-babys-keineswegs\/\">Stillen 8211 Eisenmangel bei<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":""},"categories":[6,39,62],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1441"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1441"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1441\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}