{"id":14417,"date":"2016-06-17T06:12:16","date_gmt":"2016-06-17T06:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=14417"},"modified":"2016-08-22T20:27:19","modified_gmt":"2016-08-22T20:27:19","slug":"fernsehen-und-computerspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/fernsehen-und-computerspiele\/","title":{"rendered":"Fernsehen und Computer"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2666 Fernsehen und Computer &#8211; Digitale Medien \u2666<\/strong><br \/>\nKristina Hoffmann und Gerald H\u00fcther<\/p>\n<p>Fernsehen und Computerspiele werden gegenw\u00e4rtig von den vielen, auch erwachsenen &#8222;Nutzern&#8220; nicht als Werkzeuge zur Schaffung eines Werkes, sondern als Instrumente zur eigenen Affektregulation eingesetzt: zur Unterhaltung, zur Belustigung, zum Frustabbau, zur Aufregung, zur Ablenkung, als Ersatz f\u00fcr fehlende Verbundenheit und Geborgenheit oder als Ersatz f\u00fcr fehlende Aufgaben und Herausforderungen im realen Leben.<\/p>\n<p>Wer Fernsehen und Computer f\u00fcr diese Zwecke einsetzt, dem ist nicht durch Programme zur Verbesserung der Kompetenz im Umgang mit diesen Medien zu helfen. Der braucht Programme, die ihn einladen, ermutigen und inspirieren, seine Affekte aus sich selbst heraus zu steuern und die ihm Gelegenheit bieten, sein Bed\u00fcrfnis nach Zugeh\u00f6rigkeit und eigener Entfaltung im realen Leben zu stillen.<\/p>\n<p>Das gilt ganz besonders f\u00fcr die Kinder, aber wohl ebenso f\u00fcr manche ErzieherInnen und wahrscheinlich leider wohl auch f\u00fcr die Mehrzahl der Eltern.<\/p>\n<p>Hier w\u00e4re also mit einem innovativen, medienp\u00e4dagogische Konzept anzusetzen, aber nicht durch Aufkl\u00e4rungsschriften, Vortr\u00e4ge und Belehrungen, sondern durch Initiativen, die den Beteiligten die Erfahrung erm\u00f6glichen, dass sie in der Lage sind, Herausforderungen anzunehmen, Probleme zu l\u00f6sen, Frustrationen auszuhalten, Impulse zu steuern, sich zu begeistern, mitzuf\u00fchlen, sich mitzufreuen, dazuzugeh\u00f6ren und etwas leisten zu k\u00f6nnen &#8211; und zwar im realen Leben und nicht in irgendwelchen virtuellen Welten vor dem Monitor.<!--more--><\/p>\n<h2>Fernsehen und Computer &#8211; ErzieherInnen und Eltern in Gestaltungsaufgaben einbinden<\/h2>\n<p>Die modernen Medien sind zwar komplexere Werkzeuge als Rechenschieber, aber es bleiben Werkzeuge, mit deren Hilfe man etwas gestalten, erstellen, erzeugen kann. Wer keine Aufgaben und nichts zu gestalten hat, wozu er einen Rechenschieber sinnvoll nutzen kann, der braucht auch keine Rechenschieberkompetenz und auch keine Rechenschieberp\u00e4dagogik.<\/p>\n<p>Wenn Kinder Kompetenzen bei der Nutzung moderner Medien erwerben sollen, dann m\u00fcssten also Programme entwickelt werden, die ihnen Gelegenheit bieten, etwas zu gestalten oder zu erstellen.<\/p>\n<p>Die Kinder m\u00fcssten dabei erleben k\u00f6nnen, wie wunderbar sich moderne Medien f\u00fcr diese Zwecke nutzen lassen. Indem man ErzieherInnen und Eltern in diese Gestaltungsaufgaben einbindet, k\u00f6nnten auch sie die Erfahrung machen, dass es weitaus erf\u00fcllender und befriedigender ist, aktiver Gestalter seines Lebens als passiver Konsument medialer Angebote zu sein.<\/p>\n<p>Ausgehend von diesen \u00dcberlegungen w\u00e4re also nach M\u00f6glichkeiten zu suchen, die Kinder einladen, ermutigen und inspirieren, etwas zu gestalten (einen Garten anzulegen, einen Kinderzirkus oder ein Kindertheater aufzubauen, sich um Tiere und Pflanzen zu k\u00fcmmern, technische Ger\u00e4te zu bauen, Brot zu backen, B\u00e4ume zu pflanzen).<\/p>\n<p><strong>Und genau dort, bei diesen Bem\u00fchungen, gemeinsam etwas aufzubauen, sollte ihnen gezeigt werden, dass das alles viel besser geht, wenn man dabei die modernen Medien als Werkzeuge zu Hilfe nehmen kann (zum Rechnen, zum Planen, zum Dokumentieren, zum Informieren &#8230;).<\/strong><\/p>\n<h2>Ein praktisches Beispiel: &#8222;Medienwerkstatt Kindergarten&#8220;<\/h2>\n<p>Ein Modellversuch der Stiftung &#8218;Kinderland&#8216; in Baden-W\u00fcrttemberg macht deutlich, wie sich solch ein Konzept praktisch umsetzen l\u00e4sst. Kernpunkt dieses Projektes &#8222;Medienwerkstatt Kindergarten&#8220; ist der Ansatz &#8222;Vom Konsumieren zum Gestalten&#8220;.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt dieser medienp\u00e4dagogischen Intervention liegt weniger in der Aufkl\u00e4rung und der Beschr\u00e4nkung der Nutzungszeiten digitaler Medien, sondern vielmehr in der kompetenten Heranf\u00fchrung von Kindern, auch schon im Vorschulalter an den Einsatz und die Nutzungsm\u00f6glichkeiten dieser modernen Werkzeuge f\u00fcr die Erstellung und Gestaltung von kleinen, f\u00fcr die Kinder interessanten &#8222;Werken&#8220; in Form bestimmter selbst geschaffener Medienprodukte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einer 15-monatigen, speziell f\u00fcr dieses Programm konzipierten, medienp\u00e4dagogischen Fortbildung, wurden die teilnehmenden ErzieherInnen zu sogenannten &#8222;Medienlotsen&#8220; ausgebildet.<\/p>\n<p>Die ErzieherInnen setzen sich mit ihrer eigenen Mediennutzung auseinander, lernen neue Methoden kennen und geben ihr Wissen an die Kinder weiter. In ihrer Lotsenfunktion helfen sie den Kindern, sich aktiv und kreativ mit modernen Medien auseinanderzusetzen und diese Medien fr\u00fch als Werkzeuge erkennen und nutzen zu lernen.<\/p>\n<p>Die so qualifizierten &#8222;Medienlotsen&#8220; sind sowohl f\u00fcr die Kinder, als auch f\u00fcr deren Eltern kompetentere Partner f\u00fcr Gespr\u00e4che \u00fcber die M\u00f6glichkeiten und auch die Gefahren von digitalem Medienkonsum.<\/p>\n<p>Unter ihrer Anleitung werden die Kinder eingeladen und ermutigt, herauszufinden, was sich alles auch schon im Kindergarten mit Hilfe digitaler Medien entdecken und gestalten l\u00e4sst. So lernen die Kinder, dass man mit Hilfe digitaler Medien sehr viele interessante Dinge machen kann.<\/p>\n<p>Und diese Erfahrung sch\u00fctzt sie davor, digitale Medien sp\u00e4ter als Instrumente zur Affektkontrolle zu entdecken und einzusetzen.<\/p>\n<p>Am deutlichsten kommt dieser Effekt in der R\u00fcckmeldung einiger Eltern zum Ausdruck, seit ihr Kind im Kindergarten nun gelernt habe, zusammen mit anderen Kindern kleine Kurz- und Trickfilmsequenzen zu erstellen, wolle es jetzt zu Hause nicht mehr fernsehen, sondern lieber Filme selber machen.<br \/>\nMedienp\u00e4dagogik geht nicht ohne die Eltern<\/p>\n<p>Ausschlaggebend f\u00fcr die Effizienz und Nachhaltigkeit einer jeden p\u00e4dagogischen &#8211; und damit auch medienp\u00e4dagogischen &#8211; Ma\u00dfnahme ist die Einbindung der Eltern beziehungsweise der Herkunftsfamilien der Kinder.<\/p>\n<p>Die wertvollsten Erfahrungen, die Kinder in der &#8222;Medienwerkstatt Kindergarten&#8220; unter der kompetenten Begleitung sehr gut ausgebildeter Medienlotsen machen, bleiben ohne nachhaltige Wirkung, wenn zu Hause &#8222;alles beim Alten&#8220; bleibt und die Kinder weiter wie bisher mit dem dort herrschenden Medienkonsumverhalten oder der elterlichen Inkompetenz bei der Nutzung moderner Medien konfrontiert sind, wenn sich also an den bisherigen, inneren Einstellungen und Vorbehalten ihrer Eltern und der anderen, ma\u00dfgeblichen Familienmitglieder, in Bezug auf die Nutzung digitaler Medien im Zuge einer solchen medienp\u00e4dagogischen Intervention, nichts \u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Die entscheidende Frage in Bezug auf die Verbesserung der Wirkung medienp\u00e4dagogischer Interventionen lautet daher: Wie erreichen die ErzieherInnen die Eltern und Familien der in den jeweiligen Kinderg\u00e4rten betreuten Kinder?<\/strong><br \/>\nWie kann das, was die Kinder \u00fcber sinnvolle Einsatz- und Nutzungsm\u00f6glichkeiten digitaler Medien in ihrem Kindergarten erfahren, ausprobiert und umgesetzt haben, in die jeweiligen Elternh\u00e4user mitgenommen und auch dort etabliert werden?<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung dieses Problems wird sich nicht durch eine weitere Verbesserung der medienp\u00e4dagogischen Kompetenz der ErzieherInnen erreichen lassen. Um dieses Defizit zu \u00fcberwinden, bedarf es einer Verbesserung der Beziehung zwischen den ErzieherInnen (einschlie\u00dflich der Leitungspersonen und der Verantwortlichen des Tr\u00e4gers) und den jeweiligen Eltern der Kinder, die den betreffenden Kindergarten besuchen.<\/p>\n<p>Diese dringend notwendige, vertrauensvolle, von gegenseitiger Hilfe und Wertsch\u00e4tzung und Respekt getragene Beziehung entsteht nicht von allein. Eine derartige, f\u00fcr die gesamte Entwicklung der Kinder g\u00fcnstige Beziehung all jener Personen, die sie auf ihrem Weg begleiten, kann sich auch nicht herausbilden, solange der Kindergarten von beiden Seiten lediglich als &#8222;Dienstleistungseinrichtung&#8220; verstanden und betrachtet wird.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Aufbau einer solchen, an den Bed\u00fcrfnissen der Kinder orientierten Erziehungspartnerschaft zwischen den Eltern und den ErzieherInnen brauchen Kinderg\u00e4rten dringend Unterst\u00fctzung.<br \/>\n<strong><br \/>\nWenn die Eltern nicht mit ins Boot geholt werden k\u00f6nnen, bleiben nicht nur solche medienp\u00e4dagogischen, sondern auch alle anderen gut gemeinten Interventionen im Kindergarten ohne nachhaltige Wirkung.<\/strong><\/p>\n<p>http:\/\/www.huffingtonpost.de\/gerald-hather\/medien-erziehung-eltern_b_9948200.html?utm_source=newsletter_63&#038;utm_medium=email&#038;utm_campaign=familylab-neuigkeiten-angebote-juni-juli-2016#<br \/>\n(2016-06-17, 8.08)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2666 Fernsehen und Computer &#8211; Digitale Medien \u2666 Kristina Hoffmann und Gerald H\u00fcther Fernsehen und Computerspiele werden gegenw\u00e4rtig von den vielen, auch erwachsenen &#8222;Nutzern&#8220; nicht als Werkzeuge zur Schaffung eines Werkes, sondern als Instrumente zur eigenen Affektregulation eingesetzt: zur Unterhaltung, zur Belustigung, zum Frustabbau, zur Aufregung, zur Ablenkung, als Ersatz f\u00fcr fehlende Verbundenheit und Geborgenheit&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/fernsehen-und-computerspiele\/\">Fernsehen und Computer<\/a> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/fernsehen-und-computerspiele\/\">Fernsehen und Computer<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":""},"categories":[10,12,21,88],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14417"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14417"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14417\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}