{"id":18486,"date":"2017-04-17T07:36:14","date_gmt":"2017-04-17T07:36:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=18486"},"modified":"2017-06-19T10:04:28","modified_gmt":"2017-06-19T10:04:28","slug":"ethik-unterricht-statt-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/ethik-unterricht-statt-religion\/","title":{"rendered":"Ethik Unterricht statt Religion"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcberparteiliche Plattform k\u00e4mpft f\u00fcr Ethikunterricht f\u00fcr alle <\/strong><\/p>\n<p>Nach 20 Jahren Schulversuch macht sich eine zivilgesellschaftliche Initiative stark f\u00fcr Ethik als Pflichtfach f\u00fcr alle Kinder. <!--more--><\/p>\n<p>Religion sei Privatsache, Schule m\u00fcsse Wissen vermitteln, nicht missionieren.<\/p>\n<p>Zwei Jahrzehnte l\u00e4uft der Schulversuch &#8222;Ethik als Pflichtgegenstand f\u00fcr Sch\u00fclerInnen, die keinen Religionsunterricht besuchen&#8220; in \u00d6sterreich nun schon, und die politischen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse sind so, dass Ethik wohl noch l\u00e4nger nicht ins Regelschulsystem \u00fcbergef\u00fchrt wird. Dabei wurde 2001 bereits eine wissenschaftliche Evaluation im Auftrag des Bildungsministeriums vorgelegt, die dem Schulversuch ein sehr positives Zeugnis ausstellte. Getan hat sich nichts. <\/p>\n<p>Das soll sich \u00e4ndern, wenn es nach Gerhard Engelmayer und seinen Mitstreitern geht, die sich in der Plattform Ethikunterricht f\u00fcr alle engagieren und weitere Unterst\u00fctzer suchen. &#8222;Wenn die Regierung nicht regiert, dann muss eben die Zivilgesellschaft den Job machen&#8220;, sagt der Sprecher der Konfessionsfreien und der Humanistischen Gemeinschaft der Freidenker in \u00d6sterreich im STANDARD-Gespr\u00e4ch. Pflichtfach f\u00fcr alle Ziel der von ihm mitinitiierten Plattform ist die Einf\u00fchrung des Unterrichtsfachs Ethik und Religionskunde als Pflichtgegenstand in allen Schulstufen, &#8222;am besten schon in adaptierter Form beginnend im Kindergarten&#8220;. <\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt wird die \u00fcberparteiliche Initiative unter anderen vom Autor der Evaluationsstudie des Ethik-Schulversuchs, dem Religionsp\u00e4dagogen Anton Bucher, dem gr\u00fcnen Bildungssprecher Harald Walser, der nieder\u00f6sterreichischen SP\u00d6-Landtagsabgeordneten Ilona Tr\u00f6ls-Holzweber und Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Fach Ethik liegen f\u00fcr Engelmayer auf der Hand: &#8222;Integration steht heute im Vordergrund, sie findet aber nicht statt. Im Gegenteil, sie wird durch den Religionsunterricht konterkariert, wenn die Kinder am Vormittag lernen ,Die Gl\u00e4ubigen sind die Guten, die Ungl\u00e4ubigen sind verdammt&#8216;, und am Nachmittag machen wir mit ihnen Integration. Vor allem aber braucht der Staat m\u00fcndige, kritische B\u00fcrger, die gegen Populismus gefeit sind, und nicht gl\u00e4ubige Herdentiere.&#8220; Glauben vor Vernunft Genau das definiere das Schulorganisationsgesetz als Aufgabe der Schule: Kinder zum &#8222;selbstst\u00e4ndigen Urteil&#8220; und zu kritischer Reflexion zu bef\u00e4higen: &#8222;Das kann im Religionsunterricht nicht geschehen. Dort passiert, was jede Religion macht: Glauben vor Vernunft.&#8220; Darum d\u00fcrfe Ethikunterricht auch &#8222;nicht von theologisch ausgebildeten Lehrern erteilt werden, da sonst ein Religionsunterricht &#8218;durch die Hintert\u00fcre&#8216; zu bef\u00fcrchten ist&#8220;, warnt Engelmayer: &#8222;Diese Lehrer sind ja auf die Vermittlung von monotheistischem, autorit\u00e4rem Gedankengut eingeschworen und kommen daher in einen unl\u00f6sbaren Gewissenskonflikt, wenn sie ihrer Aufgabe als Ethiklehrer nachkommen.&#8220; Nur in einer &#8222;\u00dcbergangsphase&#8220; sollten auch Religionslehrer Ethik unterrichten d\u00fcrfen \u2013 ausschlie\u00dflich nach Absolvierung eines entsprechenden Studiums, sagt Engelmayer, der als Vater von vier Kindern Religionsunterricht &#8222;von einem De-facto-Ethikunterricht bis hin zur reinen Indoktrination&#8220; erlebt hat.<\/p>\n<p>Was den konfessionellen Religionsunterricht betreffe, seien die Freidenker &#8222;nat\u00fcrlich f\u00fcr die Abschaffung&#8220;, sagt der Ethik-Aktivist: &#8222;Man muss der Tatsache ins Auge schauen, dass wir nicht mehr in den 1920er-Jahren leben, als 96 Prozent der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung katholisch waren. Wir sind heute ein pluralistisches Land, dem muss auch die Schule Rechnung tragen.&#8220; Laut Statistik Austria lag der Anteil der Katholiken in der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung 1951 bei 89 Prozent, 2016 hatten 59 Prozent r\u00f6misch-katholisches Bekenntnis. Der Umgang mit Religionen spiele da eine besondere Rolle, meint Engelmayer und w\u00fcnscht sich &#8222;endlich klare Fronten in \u00d6sterreich statt Wischiwaschi. Einer der wichtigsten Werte in einem Staat ist S\u00e4kularit\u00e4t. Die Trennung zwischen Kirche und Staat tut allen Staaten gut.&#8220; <\/p>\n<p>Das bedrohe niemandes Religionsfreiheit: &#8222;Religionsfreiheit ist ein ganz hohes Gut, aber es ist nicht Aufgabe des Staats, das Recht der Eltern auf Religion zu unterst\u00fctzen oder den konfessionellen Bekenntnisunterricht zu finanzieren.&#8220; <\/p>\n<p>Was also tun mit dem Religionsunterricht? &#8222;Religion als Freifach am Nachmittag, zu Hause oder \u00fcberall sonst, aber nicht in der Schule&#8220;, sagt Engelmayer. &#8222;Kein bekenntnisorientierter Religionsunterricht im \u00f6ffentlich-rechtlichen Schulwesen. Die Schule ist nicht zur Missionierung von Kindern da, sondern zur Vermittlung von Wissen und Werten auf m\u00f6glichst objektiver Basis. Die Kinder haben das Recht auf die beste Information, die verf\u00fcgbar ist.&#8220; Das dann oft gebrachte Gegenargument einer vielleicht problematischen Islamvermittlung in der &#8222;Hinterhofmoschee&#8220; kontert der Freidenker zum einen mit Verweis auf die Studie des Islamwissenschafters Mouhanad Khorchide von 2008, wonach 22 Prozent der Islamlehrer Demokratie und Islam f\u00fcr unvereinbar halten, und Engelmayer sagt: &#8222;Wenn es vor allem von muslimischer Seite hei\u00dft: &#8218;Dann haben wir ja keine Kontrolle&#8216;, dann ist das Armutszeugnis Nummer eins. Wenn eine Religion dauernd kontrolliert werden muss, damit sie keine Gefahr ist, dann muss man \u00fcberhaupt dagegen ank\u00e4mpfen und sehr, sehr kritisch werden gegen Religion.&#8220;<\/p>\n<p>Ein weiteres Argument der Religionsverfechter ist noch der Verweis auf das Konkordat von 1933, in dem auch der Religionsunterricht verankert ist. Diesen v\u00f6lkerrechtlichen Staatsvertrag k\u00f6nne man wie jeden anderen auch aufl\u00f6sen, meint Engelmayer: &#8222;Man sollte einmal schauen, wie viele Gesetze aus den 1930er-Jahren noch in Kraft sind.&#8220; Vor allem aber f\u00fchrt der Sprecher der Konfessionsfreien p\u00e4dagogische Gr\u00fcnde f\u00fcr den Ethikunterricht f\u00fcr alle Kinder ins Treffen. <\/p>\n<p>Eine Unterst\u00fctzerin der Ethik-Plattform ist Direktorin, &#8222;und ihr geht immer das Herz zu, wenn die Kinder bei der Einschulung in verschiedene Ecken gestellt werden \u2013 orthodox, muslimisch, katholisch et cetera&#8220;, erz\u00e4hlt er: &#8222;Religion kann ein trennendes Element sein, das muss man offen aussprechen d\u00fcrfen. Ethik- und Religionskundeunterricht w\u00fcrde den Kindern das n\u00f6tige Religionswissen zum gegenseitigen Verst\u00e4ndnis verschaffen. Er verbindet die Kinder, statt sie zu trennen. Ethik ist ein permanenter Integrationsprozess, darum brauchen wir das Fach. Es ist integrations- und demokratiepolitisch dringend notwendig.&#8220; <\/p>\n<p>Lisa Nimmervoll, 5.4.2017 &#8211; derstandard.at\/2000055371850\/Ueberparteiliche-Plattform-kaempft-fuer-Ethikunterricht-fuer-alle &#8211; 2017-04-17, 09.33<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberparteiliche Plattform k\u00e4mpft f\u00fcr Ethikunterricht f\u00fcr alle Nach 20 Jahren Schulversuch macht sich eine zivilgesellschaftliche Initiative stark f\u00fcr Ethik als Pflichtfach f\u00fcr alle Kinder. <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/ethik-unterricht-statt-religion\/\">Ethik Unterricht statt Religion<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":""},"categories":[12,21,88],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18486"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18486"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18486\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}