{"id":18646,"date":"2017-07-03T18:32:12","date_gmt":"2017-07-03T18:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=18646"},"modified":"2017-09-04T20:49:48","modified_gmt":"2017-09-04T20:49:48","slug":"problem-im-kindergarten-standard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/problem-im-kindergarten-standard\/","title":{"rendered":"Problem im Kindergarten &#8211; Standard"},"content":{"rendered":"<p>Probleme im Kindergarten: Wann das Kind herausnehmen?<\/p>\n<p>Kolumne Jesper Juul<\/p>\n<p>Wenn bei anhaltenden Konflikten Gespr\u00e4che mit allen Betroffenen nicht mehr weiterf\u00fchren, kann es Zeit sein, das Kind aus dem Kindergarten zu nehmen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Frage<\/strong> Ich schreibe Ihnen als Mutter von drei Kindern (zweieinhalb, f\u00fcnf und acht Jahre alt). Es geht um unseren F\u00fcnfj\u00e4hrigen: Seit einiger Zeit gibt es Schwierigkeiten im Kindergarten. Die P\u00e4dagoginnen meinen, dass unser Sohn an Konflikten beteiligt ist. Mittlerweile fragt er jeden Tag, ob schon Wochenende ist und er nicht mehr in den Kindergarten gehen muss \u2013 oder ob er bald in die Schule gehen kann. Ich wei\u00df, dass er oft angebotene T\u00e4tigkeiten ablehnt und nicht mitmachen m\u00f6chte. Wenn ein Konflikt unter den Kindern auftritt, so kann er gut beschreiben, was passiert. Meist ist er nur beteiligt, aber nicht selbst der Ausl\u00f6ser. Trotzdem beschuldigen ihn die Kinderg\u00e4rtnerinnen. Wenn ich mit ihm spreche, berichtet er \u00fcber die Geschehnisse und meint, dass ihm nicht geglaubt wird, wenn er etwas sagt, dass er keine Hilfe bekommt und keine Freunde im Kindergarten hat. Ich habe wirklich das Gef\u00fchl, dass der Kindergarten f\u00fcr ihn nicht der richtige Ort zum Gedeihen ist. Zu Hause mit seinen Geschwistern und auch mit anderen Kindern im Bekanntenkreis f\u00fchlt er sich wohl, ist neugierig und hilfsbereit. Er liebt es, mit seinen Geschwistern zu spielen, und sie spielen gerne mit ihm. Ich habe den Eindruck, dass im Kindergarten der Fokus nur auf Probleme gerichtet ist und nicht darauf, wie es Kindern erm\u00f6glicht wird, Erfolgserlebnisse zu haben. F\u00fcr mich als Mutter ist das ganz schrecklich. Mein Mann und ich haben schon mit den P\u00e4dagoginnen gesprochen. Aber wir sto\u00dfen auf gro\u00dfen Widerstand, wenn wir versuchen herauszufinden, wie wir gemeinsam zu einer L\u00f6sung kommen k\u00f6nnen, um unseren Sohn zu unterst\u00fctzen. Meine Unsicherheit, ob unser Sohn wirklich dort bleiben soll, w\u00e4chst st\u00e4ndig \u2013 und ich hoffe auf Ihren Rat.<\/p>\n<p><strong>Antwort<\/strong> So, wie die Dinge stehen und ich sie aus Ihrer Beschreibung herauslese, schlage ich vor, dass Sie Ihren Sohn aus diesem Kindergarten nehmen. Er hat bereits zu lange das getan, was er tun konnte, ohne dass dies den P\u00e4dagoginnen bewusst geworden w\u00e4re. Er hat dar\u00fcber gesprochen, er hat sein Unwohlsein durch sein Verhalten ausgedr\u00fcckt, und jetzt hat er das f\u00fcr ihn in seiner Entwicklung Gef\u00e4hrlichste getan: sich selbst aufgegeben. Er hat sozusagen seinen Glauben und sein Vertrauen darin verloren, dass Erwachsene ihn unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, wenn er Hilfe braucht. Er wurde von den P\u00e4dagoginnen zum S\u00fcndenbock gemacht. Mir f\u00e4llt es schwer, vollst\u00e4ndig zu begreifen, dass es immer noch &#8222;Profis&#8220; im Kindergarten gibt, die F\u00fcnfj\u00e4hrige zu Schuldigen erkl\u00e4ren! Vielleicht ist es f\u00fcr den folgenden Vorschlag noch nicht zu sp\u00e4t: Wenn ein Kind sich so klar ausdr\u00fcckt, ist der erste Schritt ein Gespr\u00e4ch mit allen Beteiligten: Mit Ihnen als Eltern, Ihrem Sohn und den P\u00e4dagoginnen. Dabei wird vielleicht der Eindruck entstehen, dass diese vier Personen \u00fcber vier verschiedene Kinder sprechen. Denn jeder nimmt das Kind in seiner Erfahrung unterschiedlich wahr. So kann jeder im Gespr\u00e4ch seine eigene Wahrheit entdecken \u2013 und Ihr Sohn erf\u00e4hrt auf diese Weise, dass Sie seine Anliegen und Symptome ernst nehmen. Dieser Verlauf ist oft heilsamer und dynamischer als eine &#8222;therapeutische&#8220; Intervention. Die P\u00e4dagoginnen haben nat\u00fcrlich ihre Gr\u00fcnde f\u00fcr ihr Handeln. Dennoch glaube ich nicht wirklich, dass sie absichtlich so agieren, wie sie agieren. Ihr Sohn ist in ihren Augen einfach ein weiterer &#8222;ungezogener&#8220; Bursche, der sie hilflos macht, weil sie nicht genau wissen, was sie mit ihm machen sollen. Ich halte es f\u00fcr einen professionellen Fehler, dass die P\u00e4dagoginnen Ihren Sohn \u00fcber sein Verhalten definieren, aber nicht die eigenen Grenzen erkennen und ausdr\u00fccken. So sind es in vielen F\u00e4llen die Kinder, die den Preis f\u00fcr diese Verfehlung bezahlen. Wobei meiner Erfahrung nach meist Buben diesem Risiko ausgesetzt sind. Dies f\u00fchrt mich auch zu dem Wunsch nach mehr m\u00e4nnlichen Mitarbeitern in Kinderg\u00e4rten und Bildungsinstitutionen. So kann der Tatsache, dass auch Burschen von Frauen definiert werden, entgegengewirkt werden. Das Problem ist in der Regel n\u00e4mlich nicht das Verhalten eines Buben, sondern wie ihn die Frauen wahrnehmen. Es kann nur an dieser Stelle neu geordnet und gel\u00f6st werden. Ihr Sohn ist eines von vielen Beispielen aus der Kinderbetreuung und aus Schulen, wo zu viele Kinder, die von der Norm abzuweichen scheinen, stigmatisiert beziehungsweise eben als &#8222;nicht normal&#8220; definiert werden. Unabh\u00e4ngig davon, ob Sie ihn aus dem Kindergarten nehmen k\u00f6nnen oder nicht: Wichtig ist, dass Sie sich im Namen der Erwachsenen bei ihm entschuldigen, ohne die Mitarbeiterinnen im Kindergarten zu kritisieren. Zeigen Sie ihm, dass er endlich geh\u00f6rt worden ist. Ihr Sohn hat dann hoffentlich ein Jahr lang Zeit, um gute Erfahrungen zu sammeln, bevor er in die Schule geht.<\/p>\n<p><strong>Jesper Juul<\/strong>, geboren 1948 in D\u00e4nemark, ist Lehrer, Gruppen- und Familientherapeut, Konfliktberater und Buchautor. Er studierte Geschichte, Religionsp\u00e4dagogik und Europ\u00e4ische Geistesgeschichte. Statt die Lehrerlaufbahn einzuschlagen, nahm er eine Stelle als Heimerzieher und sp\u00e4ter als Sozialarbeiter an und lie\u00df sich zum Familientherapeuten ausbilden. Er ist Begr\u00fcnder des Family Lab. Auf derStandard.at\/Familie beantwortet Jesper Juul alle zwei Wochen Fragen \u00fcber Erziehung, Partnerschaft und Familienleben.<\/p>\n<p>www.derstandard.at (2017-07-03)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Probleme im Kindergarten: Wann das Kind herausnehmen? Kolumne Jesper Juul Wenn bei anhaltenden Konflikten Gespr\u00e4che mit allen Betroffenen nicht mehr weiterf\u00fchren, kann es Zeit sein, das Kind aus dem Kindergarten zu nehmen. <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/problem-im-kindergarten-standard\/\">Problem im Kindergarten 8211<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18646"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}