{"id":18663,"date":"2017-07-21T15:59:11","date_gmt":"2017-07-21T15:59:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=18663"},"modified":"2017-09-24T20:45:50","modified_gmt":"2017-09-24T20:45:50","slug":"reha-aufenthalt-mit-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/reha-aufenthalt-mit-kind\/","title":{"rendered":"Reha Aufenthalt mit Kind"},"content":{"rendered":"<h1>Reha-Aufenthalt mit Kind<\/h1>\n<p>Mama hat Krebs: &#8222;Wir schaffen das!&#8220;<!--more--><\/p>\n<p>Erkranken junge Eltern an Krebs, lassen die famili\u00e4ren Verpflichtungen einen Reha-Aufenthalt oft nicht zu. In Bad Erlach k\u00f6nnen Patienten ihre Kinder mitbringen.<\/p>\n<p>Buntes Spielzeug liegt auf dem Boden, an den W\u00e4nden h\u00e4ngen Kinderzeichnungen, auf einem Teppich sitzt eine P\u00e4dagogin, sie ist umringt von einer kleinen Gruppe von Kindern, die mit Bausteinen spielen. Obwohl es hier aussieht wie in einer normalen Kindergruppe, ist etwas anders. Denn hier spielen Kinder, die auf Rehabilitation sind. Allerdings sind nicht sie selbst krank, sondern ihre M\u00fctter.<\/p>\n<p>Als sich die T\u00fcr \u00f6ffnet, kommt eine Frau im Bademantel herein. Zwei Kinder springen auf, laufen auf die Frau zu und klammern sich an sie, dabei rufen sie laut und fr\u00f6hlich: &#8222;Mama, Mama!&#8220; Die Frau streichelt ihnen \u00fcber die K\u00f6pfe, dr\u00fcckt sie an sich und sagt der P\u00e4dagogin, wann sie ihre Kinder heute abholen wird. Jetzt hat sie nur kurz Zeit und muss gleich wieder los zur n\u00e4chsten Therapie.<\/p>\n<p>Rehabilitation bedeutet auch, das Erlebte zu verarbeiten, gemeinsam mit den Kindern Zeit zu verbringen und langsam vom Ausnahmezustand voller psychischer und k\u00f6rperlicher Belastungen in einen normalen Alltag zur\u00fcckzufinden. In Familien gelingt das am besten gemeinsam.<\/p>\n<p>Im Rehabilitationszentrum Bad Erlach, eine Stunde s\u00fcdlich von Wien, k\u00f6nnen von Krebs betroffene M\u00fctter und V\u00e4ter ihre Kinder ab dem Kleinkindalter zur onkologischen Rehabilitation mitnehmen. W\u00e4hrend der Therapiezeiten von acht bis f\u00fcnf Uhr werden die Spr\u00f6sslinge in einer Kindergruppe von Fachpersonal des Hilfswerks betreut. Elternteil und Kind wohnen im Rehazentrum in einem Einzel- oder Doppelzimmer mit Zustell- oder Gitterbett. Die Unterbringung und Verpflegung f\u00fcr Kinder bis sechs Jahre ist kostenlos, die Betreuung kostet 300 Euro f\u00fcr den gesamten Aufenthalt.<\/p>\n<p>Das Angebot habe vor allem den gro\u00dfen Vorteil, dass Eltern nicht mehr auf eine Rehabilitation verzichten m\u00fcssen, weil sie ihre Kinder nicht zu Hause lassen wollen oder k\u00f6nnen. &#8222;Viele Eltern haben kein soziales Umfeld, das es m\u00f6glich macht, allein auf Reha zu fahren. Andere k\u00f6nnten die Kinder zu Hause lassen, wollen sie aber gern mitnehmen, weil ihnen die Bindung zum Kind sehr wichtig ist&#8220;, sagt Marlene Troch, Psychoonkologin und stellvertretende Leiterin der onkologischen Rehabilitation in Bad Erlach. Eine der M\u00fctter, die vor einigen Monaten am Programm teilgenommen haben, ist Marie (Name ge\u00e4ndert). Die 36-J\u00e4hrige war an Dickdarmkrebs erkrankt und hat ihre dreij\u00e4hrige Tochter zur Rehabilitation mitgebracht. &#8222;W\u00e4hrend meiner Chemo war ich viel im Krankenhaus und oft von meiner Tochter getrennt. Darunter haben wir beide sehr gelitten. H\u00e4tte es dieses Angebot hier nicht gegeben, h\u00e4tte ich sicher keine Rehabilitation gemacht, ich wollte nicht noch einmal drei Wochen von meiner Tochter wegfahren&#8220;, erz\u00e4hlt Marie. &#8222;F\u00fcr uns beide ist jetzt wichtig, dass wir wieder mehr Zeit miteinander verbringen, alles verarbeiten und langsam zum Alltag zur\u00fcckfinden.&#8220;<\/p>\n<p>Troch kennt die Herausforderungen, mit denen Eltern konfrontiert sind, wenn sie die Diagnose Krebs bekommen: &#8222;Kinder m\u00fcssen betreut und versorgt werden, Eltern haben ihnen gegen\u00fcber eine Verantwortung. Eine Krebserkrankung ist dann eine sehr gro\u00dfe Belastung und kann zu Schuldgef\u00fchlen f\u00fchren, etwa weil man als Vater oder Mutter weniger Zeit und k\u00f6rperliche Kraft hat oder die psychische Belastbarkeit reduziert ist.&#8220; Vor allem die Organisation sei eine Herausforderung, sagt Marie. &#8222;Wer bringt das Kind ins Bett, wer gibt ihm zu essen, wer holt es aus dem Kindergarten \u2013 f\u00fcr all das braucht es ein gutes Netzwerk&#8220;, wei\u00df sie. Sie musste w\u00e4hrend ihrer Erkrankung lernen, Hilfe anzunehmen, &#8222;denn allein schafft man das niemals, das w\u00e4re falscher Ehrgeiz.&#8220; Hinzu kommt der Schock nach der Diagnose und die psychische Belastung. &#8222;An schlechten Tagen habe ich mich gefragt, ob ich meine Tochter aufwachsen sehen werde und wie viel Zeit wir noch gemeinsam haben. Auch heute kommen diese Gedanken noch hin und wieder, sie sind meine emotionale Achillesferse&#8220;, erz\u00e4hlt sie. Andererseits helfe ein Kind auch: &#8222;Meine Tochter hat mich oft aus dem Selbstmitleid gerissen. Wenn man ein Kind hat, kann man sich schwer daheim vergraben. Sie hat mich dazu motiviert, rauszugehen.&#8220; Zur\u00fcck ins Leben finden Bei diesen Punkten setzt auch die onkologische Rehabilitation an. Ziel ist es, die Betroffenen dabei zu unterst\u00fctzen, zur\u00fcck ins Leben zu finden. &#8222;Wir helfen nicht nur dabei, k\u00f6rperlich und geistig wieder fit zu werden, sondern entwickeln auch gemeinsam Strategien f\u00fcr die ganze Familie und die Zeit daheim. Die M\u00fctter lernen, wie sie sich selbst entlasten und ihre psychische und finanzielle Situation meistern k\u00f6nnen&#8220; , sagt Troch. Von M\u00fcttern spricht die \u00c4rztin deshalb, weil bislang nur Frauen das Angebot in Bad Erlach in Anspruch genommen haben, f\u00fcr V\u00e4ter gilt es aber ebenso. Neben der allgemeinen Vorbereitung auf den Alltag nach der Reha, werden den Eltern Tipps aus allen Teilbereichen mitgegeben \u2013 auch ganz praktische, etwa zum Wiedereinstieg in den Beruf, welche Bewegung hilft oder &#8222;wie man f\u00fcr sich selbst und die Kinder ges\u00fcnder kochen kann&#8220;, so Troch. <\/p>\n<p>Dass es aufw\u00e4rts geht, hat auch Marie schon beobachtet: &#8222;Ich bin in den letzten Monaten viel herumgelegen, jetzt komme ich langsam wieder zu Kr\u00e4ften.&#8220; Sie sieht das Angebot auch als eine Investition, die sich f\u00fcr die Gesellschaft auszahlt: &#8222;Wenn junge Eltern nicht auf Reha fahren k\u00f6nnen, sind sie l\u00e4nger arbeitsunf\u00e4hig.&#8220;<\/p>\n<p>Neben den offensichtlichen Vorteilen ergeben sich durch die M\u00f6glichkeit, das Kind zur Reha mitzubringen, auch positive Nebeneffekte. Etwa jener, dass durch dieses spezielle Angebot Eltern w\u00e4hrend der Reha aufeinandertreffen, die sich in einer sehr \u00e4hnlichen Situation befinden. &#8222;Dieser Austausch ist sehr wichtig, und die Frauen k\u00f6nnen voneinander lernen. Statistisch gesehen sind junge Menschen seltener von Krebs betroffen, sie kennen also in ihrem Umfeld meist niemanden, dem es \u00e4hnlich geht&#8220;, sagt Troch. Das entspricht auch Maries Erfahrungen: &#8222;Die meisten Krebspatienten, die ich im Krankenhaus kennengelernt habe, waren um die 70. Aber wenn man jung ist, spielen ganz andere Themen eine Rolle.&#8220; Sie habe sich etwa gefragt, wann sie wieder arbeiten d\u00fcrfe oder ob sie noch ein Kind bekommen k\u00f6nne. Bei der Reha hat sie mittlerweile M\u00fctter kennengelernt, mit denen sie sich austauschen kann. &#8222;Abends sitzen wir zusammen mit unseren Babyfonen und vergleichen unsere Narben&#8220;, erz\u00e4hlt sie und lacht ironisch. Sie freut sich, dass auch andere M\u00fctter hier sind. &#8222;Die ganze Krankheit relativiert sich irgendwie, wenn man mit Menschen, die in einer \u00e4hnlichen Situation sind, dar\u00fcber sprechen kann.&#8220;<\/p>\n<p>Psychoonkologin Troch glaubt, dass durch das Angebot nicht nur f\u00fcr die M\u00fctter, sondern auch f\u00fcr die Kinder ein Benefit entsteht: &#8222;Sie merken hier, dass es auch noch andere M\u00fctter mit einer Krebserkrankung gibt und es anderen Kindern wie ihnen geht.&#8220; Obwohl das Programm in Bad Erlach ausschlie\u00dflich auf die Eltern zugeschnitten ist, spielt das Leben mit Kindern in der Therapie trotzdem eine Rolle: &#8222;Die M\u00fctter k\u00f6nnen dazu nat\u00fcrlich Fragen stellen, h\u00e4ufig ist der Umgang mit der Krankheit vor den Kindern ein Thema. Wir empfehlen dann, in der Familie offen zu sprechen und die Kinder nicht auszuschlie\u00dfen, das f\u00e4llt allerdings vielen Eltern schwer, weil sie ihre Kinder sch\u00fctzen wollen.&#8220; Das kennt auch Marie, ihr sei aber schnell klar geworden, dass sie die Krankheit vor ihrer Tochter nicht verbergen kann. &#8222;Prinzipiell wei\u00df meine Tochter, dass ich sehr krank war. Das haben wir ihr in kindgerechter Sprache gesagt.&#8220; \u00dcber die Reha habe sie ihrer Tochter erz\u00e4hlt, dass sie im Urlaub seien, die Mama aber hin und wieder zum Arzt m\u00fcsse. Vor allem die \u00e4lteren Kinder haben das nat\u00fcrlich durchschaut, erz\u00e4hlt Marie. Ein M\u00e4dchen in der Gruppe habe den anderen schon erkl\u00e4rt, dass hier nur die Kinder im Urlaub sind, nicht aber die M\u00fctter. &#8211; derstandard.at\/2000057463269\/Mama-hat-Krebs-Wir-schaffen-das (2017-07-21)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reha-Aufenthalt mit Kind Mama hat Krebs: &#8222;Wir schaffen das!&#8220; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/reha-aufenthalt-mit-kind\/\">Reha Aufenthalt mit Kind<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":""},"categories":[10,211,88],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18663"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18663"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18663\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}