{"id":18686,"date":"2017-09-06T20:44:12","date_gmt":"2017-09-06T20:44:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=18686"},"modified":"2017-09-27T07:17:55","modified_gmt":"2017-09-27T07:17:55","slug":"maedchen-in-die-naturwissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/maedchen-in-die-naturwissenschaft\/","title":{"rendered":"M\u00e4dchen und Mathematik"},"content":{"rendered":"<h1>M\u00e4dchen und Mathematik!<\/h1>\n<p>Gendersensibler Unterricht: &#8222;Chancen f\u00fcr alle Geschlechter erweitern&#8220;<\/p>\n<p>Genderforscherin Silvia Kronberger erkl\u00e4rt, worauf Lehrer und Lehrerinnen achten sollten, damit M\u00e4dchen in Mathematik nicht schlechter abschneiden.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>M\u00e4dchen sind l\u00e4nger im Bildungssystem, studieren h\u00e4ufiger und schlie\u00dfen auch eher ab. Bei Mathematik und naturwissenschaftlichen Tests schneiden sie aber immer noch schlechter ab als Burschen. Das Bundesinstitut f\u00fcr Geschlechterp\u00e4dagogik und -forschung an der P\u00e4dagogischen Hochschule Salzburg soll Lehrer f\u00fcr dieses Thema sensibilisieren. Wie stark ist das Bewusstsein dazu bereits ausgepr\u00e4gt? <\/p>\n<p>Kronberger: Es wird besser, aber nur sehr langsam. Es wird noch immer ein bisschen als Orchideenfach gesehen. Das Interesse steigt aber in Verbindung mit anderen Themen wie interkulturellen Fragen. Zum Beispiel gibt es Studien, die zeigen, dass Buben mit Migrationshintergrund und bildungsfernen Eltern die schlechtesten Bildungschancen haben, schlechter als die entsprechenden M\u00e4dchen. Das d\u00fcrfte mit einem M\u00e4nnerbild zusammenh\u00e4ngen, in dem Bildung kein erstrebenswertes Ziel ist. In den Medien wird das Thema oft negativ und verk\u00fcrzt dargestellt, zum Beispiel durch Polemiken zur geschlechtergerechten Sprache oder Debatten \u00fcber die T\u00f6chter in der Bundeshymne. Das erzeugt zuerst einmal Widerstand, und man muss gegen oder, besser, mit diesem Widerstand arbeiten, um das Thema behandeln zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>STANDARD: Welche L\u00e4nder sind hier vorbildlich, und wo steht \u00d6sterreich?<br \/>\nKronberger: Es sind immer die skandinavischen L\u00e4nder, die da Vorbilder sind. Wir in \u00d6sterreich sind aber in der Forschung und der Entwicklung sehr weit, auch in der Methodik und Didaktik, es hapert noch mit der Umsetzung in die Praxis. An der P\u00e4dagogischen Hochschule Salzburg betont auch das Rektorat die Bedeutung des Geschlechterthemas, und wenn das top-down behandelt wird, dann funktioniert es. Umgekehrt, und das ist leider sehr h\u00e4ufig der Fall: Wenn Einzelpersonen \u2013 meistens Frauen \u2013 dementsprechende Projekte initiieren, hei\u00dft es dann sehr schnell: Die schon wieder! Da k\u00e4mpft man gegen Windm\u00fchlen. <\/p>\n<p>STANDARD: Wie erkl\u00e4ren Sie sich das unterschiedliche Abschneiden der Geschlechter in Naturwissenschaft und Mathematik?<br \/>\nKronberger: Das beruht letztendlich auf einer gesellschaftlichen \u00dcbereinkunft, dass n\u00e4mlich die Burschen besser in Mathematik und anderen Naturwissenschaften sind. Es ist eine alte p\u00e4dagogische Erkenntnis, dass Menschen, denen mehr zugetraut wird, dann auch mehr k\u00f6nnen, auch weil sie mehr unterst\u00fctzt werden. Das f\u00e4ngt schon in der Volksschule an. Im Bereich der Naturwissenschaften wird zum Beispiel bei Buben fr\u00fcher mit Fachtermini gearbeitet, w\u00e4hrend die Lehrerinnen und Lehrer den M\u00e4dchen naturwissenschaftliche Erkenntnisse in &#8222;einfachen&#8220; Worten zu erkl\u00e4ren versuchen. Alles gut gemeint in der Annahme, sie w\u00fcrden es dann leichter verstehen \u2013 wobei aber schon mitschwingt, dass es wohl f\u00fcr sie schwieriger ist \u2013, aber das bringt den Buben von vornherein den Vorteil, dass sie mit den technischen Termini vertraut sind. M\u00e4dchen werden in den literarischen F\u00e4chern eher gef\u00f6rdert, weil man ihnen hier mehr zutraut. <\/p>\n<p>STANDARD: Wie lassen sich solche Stereotype durchbrechen?<br \/>\nKronberger: Das ist nicht leicht. An der PH Salzburg versuchen wir angehende Lehrerinnen und Lehrer dahingehend zu sensibilisieren und zu unterst\u00fctzen, dass sie besonders in den F\u00e4chern, in denen es diesen Gender-Gap gibt \u2013 also zum Beispiel Mathematik \u2013, so zu unterrichten lernen, dass auch die Kinder sich angesprochen f\u00fchlen, die dem Geschlechterstereotyp gem\u00e4\u00df weniger Interesse daf\u00fcr zeigen. <\/p>\n<p>STANDARD: Wie kann ein geschlechtersensibler Unterricht in der Praxis ausschauen?<br \/>\nKronberger: Wir haben im Rahmen des Werkunterrichts in der Volksschule ein Projekt durchgef\u00fchrt, bei dem es unter anderem darum ging, einen Flugdrachen zu bauen. Den Burschen war es dabei besonders wichtig, dass das Ding auch fliegen kann, die M\u00e4dchen haben sich eher um das optische Erscheinungsbild gek\u00fcmmert, was manchmal im Widerspruch zur Flugtauglichkeit stand. Die Frage war dann: Wie benotet man hier die Leistung? Soll das Fliegen oder die \u00c4sthetik benotet werden? Man muss sich eigentlich bei jeder Aufgabe anschauen, inwieweit sie Geschlechterstereotype anspricht und verst\u00e4rkt und inwieweit man dagegen wirken kann. <\/p>\n<p>STANDARD: Warum ist das wichtig?<br \/>\nKronberger: Beim Gender-Thema geht es nicht darum, etwas zu beschr\u00e4nken, es geht viel mehr darum, die Chancen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle Geschlechter zu erweitern. Nicht, dass man etwas nicht macht, nur weil es nicht zum Geschlechterstereotyp passt, eben zum Beispiel nicht Volksschullehrer wird oder nicht Mechatronikerin. Denn das hat nicht nur Auswirkungen auf das Individuum, sondern auch auf die Gesellschaft. Wenn Frauen als Gestalterinnen der Informationstechnologien fehlen, dann haben sie kaum Einfluss auf die Ver\u00e4nderungen der Lebenswelt durch diese Technologien, von denen sie aber gleicherma\u00dfen betroffen sind.<br \/>\n(Gudrun Ostermann, 30.7.2017) Silvia Kronberger (62) leitet das 2016 gegr\u00fcndete Bundesinstitut f\u00fcr Geschlechterp\u00e4dagogik und -forschung an der P\u00e4dagogischen Hochschule Salzburg. <\/p>\n<p>derstandard.at (2017-09-06, 22.41)<\/p>\n<p>https:\/\/www.uibk.ac.at\/projects\/sommertechnikum-mint\/ (2017-09-06, 22.41)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4dchen und Mathematik! 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