{"id":18691,"date":"2017-09-06T21:07:11","date_gmt":"2017-09-06T21:07:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=18691"},"modified":"2017-10-05T20:44:16","modified_gmt":"2017-10-05T20:44:16","slug":"kinderarmut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/kinderarmut\/","title":{"rendered":"Kinderarmut, hohe Schulkosten, Ganztagsschule"},"content":{"rendered":"<h1>Kinderarmut, hohe Schulkosten, Ganztagsschule<\/h1>\n<p>Ganztagsschule? Geldmangel ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabu. Selten sprechen wir \u00fcber das, was wir uns nicht leisten k\u00f6nnen. Noch seltener dar\u00fcber, wie Armut die Lebensbedingungen von Kindern beeinflusst Eigentlich sollte es im Interesse unserer Gesellschaft liegen, Kindern ein sorgenfreies Leben und die Teilhabe an der Gesellschaft zu erm\u00f6glichen. Dennoch ist Kinderarmut ein strukturelles Problem. <!--more--><\/p>\n<p>Denn es liegt weder am Unverm\u00f6gen der Kinder noch an dem ihrer Eltern, wenn sie von Armut betroffen sind \u2013 und Betroffene gibt es gar nicht so wenige.<\/p>\n<p>52.000 Kinder leben heute in \u00d6sterreich in Haushalten, die die Wohnung nicht angemessen warm halten k\u00f6nnen. Aufgrund der prek\u00e4ren finanziellen Lage der Eltern bleibt es 171.000 Kindern verwehrt, einmal im Monat Freunde zu sich nach Hause einzuladen; 234.000 Kinder m\u00fcssen in \u00fcberbelegten Wohnungen leben, 223.000 Kinder wohnen in feuchten und schimmligen Zimmern. Oft bedeutet das auch, einen notwendigen Arztbesuch aus Kostengr\u00fcnden aufschieben zu m\u00fcssen. All das hat in weiterer Folge negative Auswirkungen auf den weiteren Lebensweg der Kinder \u2013 Armut nimmt Zukunft.<\/p>\n<p>Gratisschule \u2013 aber trotzdem kostenintensiv Gl\u00fccklicherweise ist das heimische Schulsystem formal kostenfrei. Dennoch sind es die Begleitkosten, die einen erheblichen Anteil an den Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern haben. Laut einer j\u00fcngsten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Sora gemeinsam mit der Volkshilfe \u00d6sterreich kennt jeder Zweite der Befragten (54 Prozent) mindestens ein Kind, das aus finanziellen Gr\u00fcnden nicht bei mehrt\u00e4gigen Schulausfl\u00fcgen mitfahren kann. Wenn ein Kind nicht an schulrelevanten Veranstaltungen wie Skikursen teilnehmen kann, erlebt es das als ein Nichtdazugeh\u00f6ren. Das ist mit Scham und Stigmatisierung verbunden. Und es f\u00fchrt dazu, dass der Bildungsweg von Kindern aus armutsbetroffenen Familien ein k\u00fcrzerer ist als jener von Kindern aus wohlhabenden Haushalten. Drei von vier Personen geben in dieser Umfrage auch an, dass die Schulkosten in den letzten Jahren weiter gestiegen sind. Gerade f\u00fcr Familien in einer finanziell angespannten Situation ist der Schulbesuch eine extreme Belastung: 855 Euro zahlen Eltern pro Kind und Schuljahr f\u00fcr Schulausfl\u00fcge, Unterrichtsmaterial, Nachhilfe et cetera pro Jahr im Durchschnitt, so eine Studie der AK Wien. Diese finanzielle Belastung durch den Schulbesuch ist eine H\u00fcrde f\u00fcr den weiteren Bildungsweg der Kinder. Je weiter der Bildungsweg geht und je h\u00f6her der angestrebte Ausbildungsgrad ist, umso h\u00f6her sind die Kosten f\u00fcr die Familien. Dadurch sinken die Chancen von Kindern aus \u00e4rmeren Haushalten auf den Besuch einer h\u00f6heren Schule.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung einer fl\u00e4chendeckenden und verschr\u00e4nkten Ganztagsschule kann hier Abhilfe schaffen. Die verschr\u00e4nkte Ganztagsschule bedeutet, dass sich Unterricht, Lern- und Freizeit abwechseln. Das wirkt sich positiv auf die Lernmotivation und die Entwicklung sozialer Kompetenzen aus. Es hilft bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die Eltern werden bei der Hausaufgaben- und Lernbetreuung entlastet, mehr Freizeit ohne Lernstress wird m\u00f6glich. Die Zahlen der AK-Studie zeigen auch, dass diese Schulform die Notwendigkeit von Nachhilfekurse deutlich reduziert. Die Ganztagsschule ist somit eine Schulform, die den Bildungsfortschritt aus der kostenpflichtigen Freizeit in die kostenfreie Schule zur\u00fcckverlagert. Das spart den Eltern in \u00d6sterreich laut einer anderen AK-Studie einen Gro\u00dfteil der Nachhilfekosten von rund 110 Millionen Euro pro Jahr. Allen Kindern unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft Zukunftschancen zu sichern ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe und Verantwortung. Will man eine reiche Gesellschaft sein, sollte man sich Armut nicht mehr leisten. (Klaus Baumgartner, Georg Hubmann, 5.9.2017)<\/p>\n<p>Klaus Baumgartner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Jahoda-Bauer-Instituts in Linz. Julia Greiner ist Sozialwissenschafterin und Institutsmitarbeiterin ebendort.<\/p>\n<p>derstandard.at (2017-09-06, 23.00)<\/p>\n<p>http:\/\/www.htl-ibk.at\/design\/ -Laptop notwendig, keine finanzielle Unterst\u00fctzung &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinderarmut, hohe Schulkosten, Ganztagsschule Ganztagsschule? Geldmangel ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabu. Selten sprechen wir \u00fcber das, was wir uns nicht leisten k\u00f6nnen. 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