{"id":18697,"date":"2017-09-24T20:44:56","date_gmt":"2017-09-24T20:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=18697"},"modified":"2017-10-16T20:53:26","modified_gmt":"2017-10-16T20:53:26","slug":"praenataldiagnostik-gesundes-baby","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/praenataldiagnostik-gesundes-baby\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4nataldiagnostik &#8211; gesundes Baby?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pr\u00e4nataldiagnostik &#8211; Ist mein Baby im Bauch gesund oder nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Der Filmessay &#8222;Die dritte Option&#8220; beleuchtet die biopolitischen Auswirkungen der vorgeburtlichen Untersuchungen.<!--more--><\/p>\n<p>Geplant war alles ganz anders. Eine junge Frau ist im f\u00fcnften Monat schwanger. Als die Frauen\u00e4rztin fragt, ob sie ein Organscreening machen m\u00f6chte, willigt sie ein. Sie denkt sich: &#8222;97 Prozent aller Kinder kommen gesund zur Welt. Warum soll mein Kind eines von den drei Prozent sein?&#8220; Doch w\u00e4hrend der Ultraschalluntersuchung entdeckt die \u00c4rztin zu viel Fl\u00fcssigkeit im Gehirn. Die Diagnose: Hydrozephalus, ein Wasserkopf. Eine schwerwiegende Entscheidung steht an \u2013 die Frau beschlie\u00dft, die Schwangerschaft mit einer Sp\u00e4tabtreibung durch Fetozid zu beenden. <\/p>\n<p>Das Szenario stammt aus dem Dokumentarfilm &#8222;Die dritte Option&#8220;, der derzeit in \u00d6sterreichs Kinos l\u00e4uft. Darin lenkt Regisseur Thomas F\u00fcrhapter den Blick auf die biopolitischen Implikationen der Pr\u00e4nataldiagnostik (PND) und zeichnet das beunruhigende Bild einer Gesellschaft, die sich der Normierung und Selbstoptimierung verschrieben hat. Behinderung hat da wenig Platz. Ein filmischer Essay, der in n\u00fcchternen Bildern und lakonischen Off-Kommentaren die Komplexit\u00e4t des Themas vor Augen f\u00fchrt und zur Diskussion anregt. Expertinnen aus dem Bereich sprechen mit dem STANDARD \u00fcber ihre Filmeindr\u00fccke und berichten aus der medizinischen Praxis. <\/p>\n<p>Eine Frage der Selbstbestimmung<br \/>\n&#8222;Uns Pr\u00e4nataldiagnostikern wird vieles vorgeworfen, etwa dass wir Rasterfahndung nach Trisomie 21 machen w\u00fcrden&#8220;, sagt Katharina Schuchter. Sie ist Fach\u00e4rztin f\u00fcr Gyn\u00e4kologie, Geburtshilfe sowie Humangenetik und seit 27 Jahren in der Pr\u00e4natalmedizin t\u00e4tig. &#8222;Es gibt zahlreiche pr\u00e4nataldiagnostische Angebote, die Frauen w\u00e4hrend einer Schwangerschaft helfen \u2013 und Leben retten&#8220;, sagt sie. Manchmal findet man dadurch heraus, dass man das Kind fr\u00fcher holen muss, um es zu sch\u00fctzen. Oder bei Herzfehlbildungen, hier k\u00f6nnen Geburt und medizinische Versorgung des Kindes entsprechend vorbereitet werden. Pr\u00e4nataldiagnostik stellt f\u00fcr Schuchter zweifelsohne eine positive Errungenschaft der modernen Gyn\u00e4kologie dar. &#8222;Jede schwangere Frau hat Angst, dass ihr Kind nicht gesund sein k\u00f6nnte. Ich kann 97 Prozent der Frauen beruhigen&#8220;, sagt die Gyn\u00e4kologin. Und die restlichen drei Prozent? In den meisten F\u00e4llen w\u00fcrden sich die Frauen f\u00fcr einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden. &#8222;Nat\u00fcrlich ist das eine belastende Situation. Aber f\u00fcr die betroffenen Frauen ist es wichtig, dass sie die M\u00f6glichkeit haben, sich zu entscheiden&#8220;, so Schuchter.<\/p>\n<p>Manchmal kommen Diagnose und Entscheidung erst zu einem sp\u00e4ten Zeitpunkt.<br \/>\nAb der 23. Schwangerschaftswoche erfolgt ein Abbruch nach vorangegangenem Fetozid. Das bedeutet, dass der F\u00f6tus im Mutterleib mittels einer Injektion get\u00f6tet werden muss, bevor die Geburt eingeleitet wird. Was Frauen und ihre Partner in dieser Zeit brauchen, ist psychologische Begleitung. Gemeinsam statt einsam Anita Weichberger arbeitet als klinische und Gesundheitspsychologin an der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Frauenheilkunde am Wiener AKH. Ab der ersten Auff\u00e4lligkeit in der Diagnose steht sie dem Paar zur Seite. Ihr Kommentar: &#8222;Der Film zeigt, wie sehr man sich mit der Entscheidung alleingelassen f\u00fchlt.&#8220; Die Hauptlast liege auf den Schultern der Frauen. Weichberger: &#8222;Die Erfahrung zeigt aber, dass Paare zu ihrem Entschluss stehen k\u00f6nnen, wenn professionelle Unterst\u00fctzung in Anspruch genommen wurde.&#8220; <\/p>\n<p>Nicht alle Diagnoseeinrichtungen verf\u00fcgen \u00fcber psychologische Betreuung.<br \/>\nGerda Kosnar-Dauz steht den Angeboten der Pr\u00e4nataldiagnostik von Berufs wegen kritisch gegen\u00fcber. Sie ist Allgemeinmedizinerin und begleitet Schwangere im Rahmen der Bindungsanalyse, einer Methode zur Vertiefung der vorgeburtlichen Mutter-Kind-Beziehung. Pr\u00e4nataldiagnostik wirke sich auf die pr\u00e4natale Mutter-Kind-Bindung aus: &#8222;Alle Kinder m\u00fcssen eine Qualit\u00e4tskontrolle durchlaufen, bevor man sich entscheidet, ob man sie haben will oder nicht&#8220;, sagt sie. Bei manchen Tests kann es zehn Tage dauern, bis ein Ergebnis vorliegt. <\/p>\n<p>Zu wenige Daten<br \/>\nKosnar-Dauz: &#8222;In dieser Zeit stehen die Kinder zur Disposition. Sie werden gecheckt, ob sie okay sind oder nicht.&#8220; Und: Fetozid sei in \u00d6sterreich ein wenig dokumentierter Bereich. Die anbietenden Stellen entscheiden, wie sie den Prozess gestalten. Auch g\u00e4be es keine Statistiken, so Kosnar-Dauz. Was ihr am Film gefallen hat? Die Diskrepanz zwischen Ton- und Bildebene. Dadurch, dass die gesprochene Tonspur den Bildern nicht gef\u00fcgig gemacht werde, bleibe Raum f\u00fcr eigene Gedanken. Ihr Fazit: Fr\u00fcher h\u00e4tten sich Frauen bewusster entschieden, ob und welche Tests sie machen w\u00fcrden. Pr\u00e4nataldiagnostik werde mittlerweile wenig hinterfragt. <\/p>\n<p>Durch die PND werden heute Organfehlbildungen und Chromosomenst\u00f6rungen wie Trisomie 21, 18 oder 13 festgestellt. Bei den Methoden unterscheidet man zwischen nichtinvasiven und invasiven Verfahren. Nichtinvasive Methoden umfassen Untersuchungen via Ultraschall, etwa Nackenfaltenmessung und Organscreening, wie auch Bluttests und nichtinvasive pr\u00e4natale Tests (NIPT). Zu den invasiven Verfahren z\u00e4hlen die Fruchtwasserpunktion, die Chorionzottenbiopsie oder die Nabelschnurpunktion. Sie bringen ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr eine Fehlgeburt (1:100) und kommen zur Anwendung, wenn Untersuchungen auff\u00e4llig waren. Die Angebote der PND sind in \u00d6sterreich kostenpflichtig. Sie werden von 85 bis 90 Prozent der Frauen in Anspruch genommen.<\/p>\n<p>derstandard.at\/2000064247685\/Ist-mein-Baby-im-Bauch-gesund-oder-nicht (2017-09-24, 22.42)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4nataldiagnostik &#8211; Ist mein Baby im Bauch gesund oder nicht? 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