{"id":18782,"date":"2017-12-29T18:43:51","date_gmt":"2017-12-29T18:43:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.weli.at\/kinder\/?p=18782"},"modified":"2017-12-29T18:44:22","modified_gmt":"2017-12-29T18:44:22","slug":"familienbonus-niedrigverdiener-grossfamilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weli.at\/kinder\/familienbonus-niedrigverdiener-grossfamilien\/","title":{"rendered":"Familienbonus Steuern FP\u00d6 \u00d6VP"},"content":{"rendered":"<p>Was der Familienbonus Niedrigverdienern und Gro\u00dffamilien bringt<\/p>\n<p>Die von \u00d6VP und FP\u00d6 geplante Steuergutschrift \u00fcber 1.500 Euro k\u00f6nnte die Anreize f\u00fcr Frauen senken, sich einen Job zu suchen, sagen Experten.<\/p>\n<p>Ein Geschenk an reiche Eltern oder eine sinnvolle Ma\u00dfnahme zur Familienf\u00f6rderung?<!--more--><\/p>\n<p>Die geplante Einf\u00fchrung des Kinderbonus in H\u00f6he von 1.500 Euro durch \u00d6VP und FP\u00d6 scheidet die Geister. W\u00e4hrend die k\u00fcnftige Regierung von einem Leuchtturmprojekt spricht, sehen Gewerkschaft, SP\u00d6 und Kinderfreunde einen &#8222;Gutverdienerbonus&#8220;.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick erscheint die Kritik berechtigt. Die 1.500 Euro sind ein Steuerabsetzbetrag. Davon profitieren also nur Personen mit ausreichend hohem steuerpflichtigem Einkommen. Doch in der \u00f6sterreichischen Realit\u00e4t ist die Sachlage etwas komplexer.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst werden Familien \u00fcber das Steuersystem schon derzeit auf eine Weise entlastet, von der Besserverdiener deutlich st\u00e4rker profitieren. Genau diese Besserstellung d\u00fcrfte bald wegfallen, zumindest teilweise. Und das macht die Bewertung des Kinderbonus in puncto Verteilungsfairness schwierig.<\/p>\n<p>Zur Ausgangslage: Seit dem Jahr 2009 gilt in \u00d6sterreich, dass Betreuungskosten in H\u00f6he von 2.300 Euro pro Kind steuerlich als Freibetrag geltend gemacht werden k\u00f6nnen. Ausgaben f\u00fcr (private) Schulen und Kinderg\u00e4rten d\u00fcrfen ebenso angerechnet werden wie Ausgaben f\u00fcr Urlaubs- und Nachmittagsbetreuung oder einen Hort, vorausgesetzt, die Betreuung erfolgt durch qualifiziertes Personal. Das Schulgeld selbst ist nicht inkludiert. Die 2.300 Euro mindern nicht die Steuerschuld eines Arbeitnehmers gegen\u00fcber der Finanz \u2013 vielmehr sinkt die Bemessungsgrundlage. Wer mehr verdient und sich deshalb in einer h\u00f6heren Steuerklasse befindet, profitiert also st\u00e4rker. Ein Manager, der ein paar hunderttausend Euro macht, erspart sich bei seinem Spitzensteuersatz von 55 Prozent aktuell 1.265 Euro. Bei einer Angestellten in der untersten Steuerklasse (25 Prozent) sind es 575 Euro. Die Vorteile voll nutzen konnten bisher nur Personen, f\u00fcr die Ausgaben f\u00fcr Kinderbetreuung leistbar waren.<\/p>\n<p>Das bestehende System wirkt also regressiv. Je mehr Einkommen, umso h\u00f6her die Entlastung, sagt Margit Schratzenstaller, \u00d6konomin am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. Steuerexperten regen deshalb schon l\u00e4nger \u00c4nderungen an. Ob der Kinderbonus, der das bestehende System der Familienf\u00f6rderung via Steuersystem umkrempeln soll, der richtige Weg ist, dar\u00fcber l\u00e4sst sich streiten. Mit der Einf\u00fchrung des neuen Modells soll der alte Freibetrag f\u00fcr die Kinderbetreuung fallen, war von \u00d6VP-Seite zu h\u00f6ren. Der neue t\u00fcrkis-blaue Bonus wird direkt von der Steuerschuld eines Erwerbst\u00e4tigen abgezogen, unabh\u00e4ngig davon, in welcher Steuerklasse man sich befindet. Auch hier gilt, dass es ohne nennenswertes Einkommen nichts zu versteuern gibt. Den Geringverdienern bringt der Bonus also wie das geltende Modell nichts. Einige \u00d6konomen sind daher \u00fcberzeugt, dass sozialpolitische Ma\u00dfnahmen wie Familienf\u00f6rderung im Steuersystem nichts verloren haben. Eher k\u00f6nnte bei der Familienbeihilfe angesetzt werden, oder es m\u00fcsste f\u00fcr jedes Kind einen Bonus von 1500 Euro geben, und sei es via Negativsteuer.<\/p>\n<p>Norbert Neuwirth vom Institut f\u00fcr Familienforschung in Wien hat f\u00fcr den STANDARD einige Rechnungen erstellt, wie sich der Bonus auswirkt, wenn der Kinderbetreuung-Absetzbetrag wie geplant abgeschafft wird.<\/p>\n<p>Bei Einkindfamilien gewinnen Niedrigverdiener mit Bez\u00fcgen von 1.800 Euro im Monat brutto am st\u00e4rksten dazu.<\/p>\n<p>Bei Zweikindfamilien sind Personen mit 2.500 (Mittelstand) und 3.100 Euro (Gutverdiener) ex aequo die gr\u00f6\u00dften Profiteure.<\/p>\n<p>Bei Vielkinderfamilien sind Gutverdiener die gr\u00f6\u00dften Gewinner vor Spitzenverdienern.<\/p>\n<p>Der Kinderbonus ist im Umfang viel weiter gefasst als der aktuelle Freibetrag, der zum Beispiel nur bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr ausbezahlt wird, die Auswirkungen auf das Budget werden auch deutlich umfangreicher sein.<\/p>\n<p>Weil er an keine Bedingungen wie externe Betreuung gekn\u00fcpft sein soll, kann sich Expertin Schratzenstaller vorstellen, dass der Bonus auf das Arbeitsangebot Auswirkungen haben wird, und zwar bez\u00fcglich Frauen. Die Absetzbarkeit von Betreuungskosten macht es f\u00fcr M\u00fctter n\u00e4mlich finanziell interessanter, einen Job anzunehmen, um zum Haushaltseinkommen beizutragen. Den Bonus bekommt jeder \u2013 &#8222;dieser Anreiz w\u00e4re also weg&#8220;, so Schratzenstaller.<\/p>\n<p>\u00dcber diese geschlechterspezifische Auswirkung auf den Arbeitsmarkt sei bisher wenig diskutiert worden, sagt die \u00d6konomin.<\/p>\n<p>Unklar ist derzeit \u00fcbrigens noch, ob der Kinderfreibetrag (440 Euro) wegfallen wird, auch dieser Betrag schm\u00e4lert die Bemessungsgrundlage, wirke also regressiv. Im Wahlkampf hatte die \u00d6VP erkl\u00e4rt, dass dieser Freibetrag bleiben wird. (Andr\u00e1s Szigetvari, 14.12.2017) &#8211; derstandard.at\/2000070316719\/Was-der-Familienbonus-Niedrigverdienern-bringt-und-wie-Mehrkindfamilien-profitieren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was der Familienbonus Niedrigverdienern und Gro\u00dffamilien bringt Die von \u00d6VP und FP\u00d6 geplante Steuergutschrift \u00fcber 1.500 Euro k\u00f6nnte die Anreize f\u00fcr Frauen senken, sich einen Job zu suchen, sagen Experten. 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