Psychische Erkrankung in Familie

Psychische Erkrankung in Familie

Psychische Erkrankung ist nicht nur ein Thema des Einzelnen, sondern immer auch der Familie. Es ist aber auch nicht nur ein Thema der Fachleute. Jeder kennt jemanden, der betroffen ist und in unserem Inneren wissen wir auch, dass es uns betreffen kann.

Was heißt eigentlich psychisch erkrankt?

Manchmal bringt eine Kleinigkeit unser System aus der Balance. Manchmal ist es eine langsame schleichende Entwicklung.

Eine psychische Erkrankung kann nicht klar vom Zustand des gesunden getrennt werden. Es gibt keine Grenze, die eindeutig ist. Das ist irritierend und verunsichernd. Die Linien sind fließend. Psychisch gesund beschreiben die meisten Menschen als Gefühl der Ganzheit oder des „in seiner Mitte seins“. Aber diese innere Balance wird durch Gewalterfahrungen, Stress, Belastungen, aktuelle und frühere Verletzungen, persönliche Beziehungen und vieles mehr bedroht. Wir erleben Situationen, denen wir mit unseren individuellen Mustern und inneren Ressourcen nicht gewachsen sind. Sie fordern unsere innere Sicherheit heraus und bringen uns manchmal mehr, manchmal weniger aus der Balance.Und manchmal ist genau der Versuch, alles „ideal“ und „richtig zu machen, alles im Griff zu haben, das Gefährliche.

Das Wesen der psychischen Erkrankung wird unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass wir selber unser Verhalten, unser Denken und Fühlen nicht in dem Ausmaß bewusst steuern können, wie wir es gerne würden. Es reicht eben nicht, „sich einfach zusammen zu reißen“. Man kann so gerne man es möchte, die gut gemeinten und manchmal auch sinnvoll klingenden Ratschläge von Freunden nicht umsetzen. Man hat den Eindruck sich selbst ausgesetzt zu sein.
Fast alle psychischen Erkrankungen gehen mit einem Gefühl einer inneren Unruhe und häufig einer Unsicherheit einher. Man hat das Gefühl nicht ganz man selbst zu sein. Und gleichzeitig ist man sehr bemüht genau diese Gefühle zu verbergen, die Dinge richtig zu machen. Das ist anstrengend und führt zu einer weiteren Belastung. So beginnt häufig ein Teufelskreis.

Das Bemühen „normal“ zu sein und in Beziehung zu sein ist groß, aber es stellt für betroffene Angehörige eine große Herausforderung dar. Man ist unsicher, will aber nicht darüber reden, weil man Sicherheit vermitteln will. Man kennt sich selber nicht aus, und weiß nicht ob man fordern oder schonen soll. Man sehnt sich nach dem Gegenüber, das aber in diesen Situationen nicht greifbar ist. Man weiß nicht, wie man in Kontakt kommen kann und soll.
Kinder sind von diesem Dilemma in einem noch höheren Ausmaß betroffen.

Fachworkshop
Freitag 30.09.16, 09:00–18:00 Uhr, Samstag 01.10.16, 09:00–17:00 Uhr

Beitrag: 350,– Euro inkl. USt., Unterlagen und Pausenverpflegung

Hinweise Der Workshop wird auf Dänisch mit Übersetzung gehalten.

Anmeldung
www.igfb.org/seminar-vortrag
Seminarraum IGfB, Gänsbacherstraße 6, 6020 Innsbruck

Karen Glistrup (DK) ist Psychotherapeutin mit Spezialisierung auf Paar- und Familientherapie und Sozialarbeiterin.

Literatur
Was ist bloß mit Mama los? (Kösel 2014)
Sag mir die Wahrheit (Beltz 2016)

http://www.igfb.org/mm_content/V201610-IGfB-KarenGlistrup_Bitte_redet_mir_mirWH_IBK.pdf

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